Vorsicht Zahnverlust! 

Bewegung macht Spaß, besonders wenn die Sonne wieder nach draußen lockt. Vor allem Trendsportarten wie Mountainbiking, Rollerblading oder Skate- und Snowboarding begeistern heute junge Sportler. Dabei ist häufig Geschwindigkeit Trumpf. Leider bleibt das nicht immer ohne Folgen. Die Zahnärztekammer Schleswig-Holstein beobachtet seit Jahren den Anstieg von Zahnverletzungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Ettwa 35 Prozent aller Kinder und Jugendlichen erleiden Zahnunfälle im bleibenden Gebiss. Unter Erwachsenen erleidet jeder zehnte einen Zahnunfall. Vermehrte Freizeitaktivitäten, aggressiveres Verhalten im Sport und unfallträchtige Trendsportarten tragen dazu bei. Weitere wichtige Unfallursachen sind Fahrradstürze und Kollisionen auf modernen Rutschen in Schwimmbädern. Aber auch klassische Mannschaftssportarten mit hohem körperlichen Einsatz und Kampfsport bergen ein besonders hohes Verletzungsrisiko für die Zähne. So weisen Sportunfälle in Eishockey, Hockey, American Football, Boxen, Handball und Basketball einen prozentual hohen Anteil an Zahnverletzungen auf. Ist das Tragen eines Zahnschutzes im Profisport teilweise vorgeschrieben, sind im Amateurbereich – und speziell im Schul- und Freizeitsektor – entsprechende Hinweise leider selten.

Auf jeden Fall zum Zahnarzt

Am Unfallort lässt sich nicht direkt beurteilen, wie schwer eine Verletzung ist, ob möglicherweise Zahnwurzeln oder -nerven mit betroffen sind. "Das kann übrigens sogar der Fall sein, wenn man am Gebiss selbst gar nichts sieht", warnt Brandt. Deshalb sollte der Verletzte in jedem Fall so schnell wie möglich zum Zahnarzt. Nur er kann feststellen, wie groß der Schaden ist und ob sofort eine Behandlung nötig ist. "Eine Kontrolle ist Pflicht – im eigenen Interesse", so der Vizepräsident der Zahnärztekammer. Denn manche zunächst unsichtbare Verletzung macht sich sonst erst nach Monaten oder gar Jahren bemerkbar. Dann ist der Schaden oft größer, außerdem sind solche Spätfolgen oft nur schwer über die Unfallversicherung abzurechnen, wenn man den Unfall selbst und den Besuch beim Zahnarzt nicht direkt dokumentiert hat.

Zahnunfälle schnell behandeln

Was tun, wenn es doch zu einem Zahnunfall kommt? "Eine gute erste Hilfe kann Zähne retten – und dabei kommt es auf jede Minute an", weiß Dr. Michael Brandt, Vizepräsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein. Bei einer schnellen und richtigen Reaktion nach einem Zahnunfall ist es heute möglich, herausgeschlagene oder abgebrochene Zähne optimal wieder herzustellen und bei entsprechender Therapie sogar lebenslang zu erhalten.

Ausgeschlagene Zähne erhalten

Ausgeschlagene Zähne können zwar grundsätzlich wieder in den Kiefer zurückgepflanzt werden. Dafür ist es aber entscheidend, dass die Zellen, die an der Wurzel des Zahnes haften, nicht absterben. Trockenes Aufbewahren oder Lagern in falscher Umgebung führt innerhalb von Minuten zum Zelltod. Es ist also sehr wichtig, den ausgeschlagenen Zahn richtig zu retten. Eile steht im Vordergrund: Der ausgeschlagene Zahn muss sofort gesucht werden. Er darf dann nicht gereinigt und schon gar nicht "desinfiziert" werden. Der Zahn soll möglichst nur an der Krone angefasst werden. Am besten wird er so schnell wie möglich in einer Zahnrettungsbox, die man in der Apotheke bekommen kann, gelagert. Ist diese nicht am Unfallort vorhanden, kann man für kurze Zeit den Zahn in H-Milch oder eine isotone Kochsalzlösung legen oder ihn in Plastikfolie einwickeln. Ganz falsch sind Leitungswasser, Eis, Speichel und alles Trockene wie Papiertaschentücher und Kompressen.

Vorbeugen ist am besten

Rund 80 Prozent der Unfälle betreffen die oberen Schneidezähne. Folgeprobleme sind nach solchen Verletzungen häufig. Nicht selten ist danach lebenslang eine intensive zahnärztliche Betreuung erforderlich. Wer sich das ersparen möchte, sollte einen Zahnschutz tragen. Individuell und passgenau vom Zahnarzt angefertigt reduziert er das Verletzungsrisiko um den Faktor 60 gegenüber konfektionierten Angeboten. Atmung und Sprache werden dadurch am wenigsten beeinträchtigt. Mittlerweile wird Zahnschutz in beliebiger Farbe und auch mit Abbildungen und Aufdrucken hergestellt. Das steigert die Akzeptanz bei Jugendlichen deutlich.


Quelle: Pressemitteilung der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein

 

 

 


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letzte Änderung: 13.08.2012