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Zähneknirschen bei Kindern: An welchem Punkt gilt es zu handeln?

Die Eltern hören es oft zuerst nachts: ein reibendes, mahlendes Geräusch aus dem Kinderzimmer.

Zähneknirschen wirkt im ersten Moment zwar harmlos, es ruft jedoch im Laufe der Zeit durchaus Unsicherheit hervor. Ist das nur eine Phase oder ein echter Grund zur Sorge?

Sind die Ursachen bekannt und werden die Warnsignale beachtet, lässt sich schnell erkennen, in welchem Fall Gelassenheit angebracht ist und wann ein Besuch in der Zahnarztpraxis sinnvoll ist.

Bruxismus: Zähneknirschen verstehen

Fachleute sprechen von dem sogenannten Bruxismus, wenn es um das Knirschen oder das Pressen der Zähne geht. Bei Kindern tritt dieses Phänomen vor allem im Schlaf auf. Typisch ist dabei das rhythmische Aneinanderreiben von Ober- und Unterkiefer, manchmal auch begleitet von leichten Kaubewegungen.

Gerade im Kleinkindalter gehört das in vielen Fällen zu der normalen Entwicklung: Die Zähne richten sich aus, das Kausystem übt sich ein. Auch beim Zahnwechsel stellt Knirschen keine Seltenheit dar.

Studienlage: Aktuelle Forschungsergebnisse zum kindlichen Bruxismus

Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Zähneknirschen bei Kindern häufiger vorkommt, als lange angenommen wurde. Eine Studie der Universität São Paulo zeigte beispielsweise, dass rund 30 Prozent der Kinder im Grundschulalter regelmäßig knirschen.

Auffällig ist dabei der enge Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Häufigkeit des Knirschens. Kinder mit Atemproblemen oder unruhigem Schlaf waren deutlich stärker betroffen.

Diese Erkenntnis rückt die Bedeutung einer interdisziplinären Betrachtung in den Vordergrund: Neben Zahnärztinnen und Zahnärzten sollten auch Kinderärzt:innen und Schlafmediziner:innen einbezogen werden, um frühzeitig umfassende Unterstützung sicherzustellen.

Mögliche Ursachen für das Knirschen

Die Gründe für einen Bruxismus sind vielfältig. Im Kleinkindalter ist es vor allem auf den Zahndurchbruch zurückzuführen. Bei älteren Kindern spielen dagegen andere Faktoren hinein:

  • Entwicklung des Gebisses: Neue Zähne sorgen für veränderte Kontaktflächen. Das führt häufig zu kurzzeitigen Fehlkontakten, die durch das Knirschen wieder ausgeglichen werden.
  • Emotionale Belastungen: Stress in Schule oder Alltag kann sich auch auf körperlicher Ebene äußern. Der Bruxismus wird dann als unbewusste Reaktion auf die Anspannung verstanden.
  • Schlafstörungen und Atemwege: Kinder mit unruhigem Schlaf oder Problemen wie Schnarchen neigen generell häufiger zu Knirschen.
  • Zahn- und Kieferstellung: Wenn Ober- und Unterkiefer nicht optimal aufeinandertreffen, erhöht sich das Risiko für Drucksituationen im Kauapparat.

Doch auch eine Funktionsstörung wie eine CMD, die craniomandibuläre Dysfunktion, ist möglich. Allerdings kommt diese bei Kindern deutlich seltener vor als bei Erwachsenen.

Wann kein Grund zur Sorge besteht

Viele Kinder knirschen nur vorübergehend mit den Zähnen. Die folgenden Merkmale sprechen eher für eine unproblematische Situation:

  • Das Kind befindet sich im Zahnwechsel und zeigt keine weiteren Beschwerden.
  • Der Zahnarzt findet keine auffälligen Abnutzungsspuren am Zahnschmelz.
  • Schlaf und Tagesbefinden bleiben von dem Knirschen unbeeinträchtigt.

In diesen Fällen reicht Beobachten aus. Meist legt sich das Knirschen mit dem Abschluss des Zahnwechsels wieder.

Warnsignale müssen ernstgenommen werden

Bestimmte Anzeichen sollten Eltern jedoch aufhorchen lassen. Zu diesen zählen:

  • sichtbare Schäden am Zahnschmelz
  • wiederkehrende Kiefer- oder Kopfschmerzen
  • starkes, fast jede Nacht auftretendes Knirschen
  • Einschränkungen im Schlaf, wie häufiges Aufwachen oder Tagesmüdigkeit

Sind diese Symptome wahrzunehmen, ist ein Termin in einer erfahrenen Zahnarztpraxis sinnvoll. In dieser wird geprüft, ob die Zähne oder die Kieferstrukturen bereits Schaden genommen haben oder ob begleitende Probleme vorliegen.

In einer Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass ein unbehandelter Bruxismus langfristig zu deutlichen Abnutzungen führen kann.

Diese Behandlungsmöglichkeiten gibt es

Die Therapie des Zähneknirschens richtet sich nach der individuellen Ursache und der Ausprägung. Grundsätzlich stehen jedoch mehrere Ansätze zur Verfügung:

  • Aufbissschienen: Ab dem Zeitpunkt, an dem die bleibenden Zähne durchbrechen, schützt eine individuell angepasste Schiene vor weiterem Abrieb.
  • Stressabbau und Entspannung: Regelmäßige Routinen, eine ruhige Abendgestaltung oder kindgerechte Entspannungstechniken reduzieren die Anspannung.
  • Optimierung der Schlafumgebung: Ein dunkles, ruhiges Schlafzimmer und feste Einschlafzeiten verbessern die generelle Schlafqualität.
  • Kieferorthopädische Maßnahmen: Wenn Fehlstellungen als Auslöser identifiziert wurden, sorgt eine kieferorthopädische Behandlung für eine langfristige Korrektur.

Die Entscheidung über den passenden Weg trifft immer die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach einer gründlichen Untersuchung.

Langfristige Zahngesundheit beginnt im Kindesalter

Zähneknirschen bei Kindern ist in vielen Fällen eine normale Begleiterscheinung des Zahndurchbruchs und der körperlichen Entwicklung.

Eltern sollten dennoch genau hinsehen. Tritt das Knirschen regelmäßig auf oder zeigen sich noch andere Begleiterscheinungen wie Schmerzen oder Zahnschäden, ist eine Abklärung in einer Zahnarztpraxis angebracht. Dort lassen sich mögliche Risiken frühzeitig erkennen und es wird dafür gesorgt, dass das kindliche Gebiss langfristig gesund bleibt.

Fazit
Zähneknirschen bei Kindern ist häufig harmlos und gehört oft zur natürlichen Entwicklung. Eltern sollten das Knirschen dennoch aufmerksam beobachten, besonders wenn Schmerzen, Zahnschäden oder Schlafprobleme hinzukommen. In diesen Fällen ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll. So lassen sich Risiken rechtzeitig erkennen und die Grundlage für eine gesunde Zahn- und Kieferentwicklung langfristig sichern.

Zuletzt aktualisiert am 23. September 2025 von COS Zahnärzte

Mihail Cos
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