Welche Füllungsmaterialien gibt es überhaupt?
Karies, Abnutzungen, Absplitterungen am Zahn oder schadhafte Füllungen machen es notwendig, einen Zahn oder mehrere Zähne mit neuen Füllungen zu versorgen. Als Patient haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Füllungsmaterialien mit jeweils spezifischen Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten.

 

Ablauf der Behandlung

Wie wird die Behandlung durchgeführt?

Der Zahn wird auf Wunsch betäubt. Danach entfernen wir die befallene Stelle im Zahn bzw. die schadhafte Füllung mit dem Bohrer.
Je nach Tiefe der Kavität wird eine sogenannte Unterfüllung zum Schutz der Zahnpulpa oder der nervnahen Bereiche gelegt. Anschließend legen wir die Füllung.

 

Die Kompositfüllung (Kunststoff-Füllung)

Kompositfüllungen werden häufig auch als Kunststofffüllungen bezeichnet und bestehen aus einer Mischung von Keramik- Glas- und Quartzkörpern, die in einer Art Kunststoff eingebettet sind. Die modernen Hochleistungs-Komposite werden direkt schichtweise unter Verwendung eines Adhäsivs (Kleber) in den Zahn eingebracht und sofort mit einer speziellen Blaulichtlampe ausgehärtet.
Aufgrund der Materialeigenschaften sowie der vielfältigen farblichen Töne eignen sich die Komposite für ästhetisch perfekte Füllungen sowohl im Seitenzahn- als auch im Frontzahnbereich.

Vorteile

  • Schonung der gesunden Zahnsubstanz
  • Sofort belastbar, d.h. wenn Sie die Praxis verlassen, können Sie gleich wieder essen
  • Ermöglicht einen optimalen Verbund zum kompletten Zahn. reduziert sogenannten Sekundärkaries entscheidend
  • Geringer Zeit- und Kostenaufwand im Vergleich zu laborgefertigten Arbeiten
  • Ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis
  • Zahnfarbe kann individuell angepasst werden lange Haltbarkeit

Nachteile

  • Eignet sich nicht für sehr große oder flache Löcher
  • Erfordert absolute Trockenheit bei der Verarbeitung, daher im hinteren Seitenzahnbereich manchmal sehr schwer zu legen
  • Stark beanspruchte Stellen (Schneidekanten, Höcker der Backenzähne) können abbrechen.

 

Die Amalgamfüllung

Amalgam wird mittlerweile seit über 170 Jahre verwendet. Es besteht aus einer Mischung aus Quecksilber, Silber und Zinn. Sollte bei Schwangeren, Kindern und Nierenkranken nicht eingesetzt werden.

Vorteile

  • Es lässt sich sehr gut verarbeiten
  • Kann überall im Seitenzahnbereich eingesetzt werden
  • Lange Haltbarkeit
  • Preisgünstig. Keine Zuzahlung notwendig

Nachteile

  • Gibt ständig in geringer Konzentration Quecksilberdämpfe ab, was Spekulationen über Gesundheitsgefahren ausgelöst hat
  • Beim Füllen und besonders beim raus Bohren wird Quecksilber in großen Mengen freigesetzt
  • Um Halt für die Füllung zu schaffen, muss u.U. viel gesunde Zahnsubstanz geopfert werden
  • Farbe: grau bis schwarz, daher unästhetisch. Die Zähne oder das Zahnfleisch können sich ebenfalls irreversibel verfärben (sog. Zahnfleischtätowierung)
  • Alte Amalgamfüllungen können sogenannte Infraktionen verursachen. Diese sind Risse die mehr oder weniger Tief im Zahn verlaufen. Die Infraktionen können heftige Schmerzen verursachen.

 

Die Zementfüllung

Zement ist die einfachste Füllung und wird ausschließlich für Zähne verwendet, die nur geringen Belastungen ausgesetzt sind, z.B. Zahnhals, Milchzähne, als Unterfüllungen unter einer festen Kunststoff- oder Amalgamfüllung oder unter Kronen. Ist eher als eine provisorische Füllung zu betrachten.

Vorteile

  • Die Farbe ist hell, aber sie entspricht nicht der natürlichen Zahnfarbe
  • Günstig, keine Zuzahlung notwendig
  • Gut bioverträglich

Nachteile

  • Kann Wasser aufnehmen, was zu Rissen führt
  • Geringe Belastbarkeit und Haltbarkeit
  • Befriedigendes Aussehen

 

Die Keramikfüllung ( Inlay oder Einlagefüllung aus Keramik)

Die Keramikfüllung ist eine laborgefertigte Füllung und eignet sich sehr gut für den Seitenzahnbereich.

Vorteile

  • Stellt den Zahn in Form und Funktion am besten wieder her
  • Höchste Belastbarkeit und Haltbarkeit
  • In Puncto Ästhetik kaum vom eigenen Zahn zu unterscheiden, ein völlig natürliches Aussehen
  • Allerhöchste Präzision und Genauigkeit

Nachteile

  • Zeitaufwendig, 2 Sitzungen sind notwendig
  • Kosten je nach Defektgröße bis zu einigen Hundert Euro
  • Benötigt zum Einsetzen absolute Trockenheit

 

Die Goldfüllung (Inlay oder Einlagefüllung aus Gold)

Die Goldfüllung ist eine laborgefertigte Füllung und eignet sich hervorragend für den Seitenzahnbereich.

Vorteile

  • Sehr hohe Präzision und Passgenauigkeit
  • Höchste Belastbarkeit und Haltbarkeit
  • Stellt den Zahn in Funktion und Form am besten her

Nachteile

  • Die Farbe
  • Zeitaufwendig, 2 Sitzungen sind notwendig
  • Relativ hohe Herstellungskosten

 

Die Kompomerfüllung

Kompomere sind eine Mischung aus Kompositen und Glas-Ionomer-Zement. Sie sind in der Verarbeitung der Kompositfüllung sehr ähnlich. Die Kompomere werden sehr häufig als Füllungen für Milchzähne eingesetzt. Ebenfalls ist das Material auch für Füllungen am Zahnhals und für Frontzähnen sowie kleine Defekte im Seitenzahnbereich hervorragend geeignet. Im Großen und Ganzen ein gutes Allround-Material.

Vorteile

  • Gute bis sehr gute Ästhetik
  • Leicht zu verarbeiten
  • Sofort belastbar
  • Gute Haltbarkeit
  • Ideal für Milchzähne, da durch Fluoridabgabe Sekundärkaries vorgebeugt wird
  • Gut bioverträglich
  • Erhältlich in den meisten Zahnfarben sogar in den Farben rosa, blau, gold, was sie für Kinder sehr attraktiv macht

Nachteile

  • Bei Befolgung der Indikationen kaum Nachteile
  • Kürzere Haltbarkeit als die Compositefüllung

 

Haltbarkeit der Füllungen

Aussagen über die Haltbarkeit einer Füllung sind nur statistisch möglich. Im Einzelfall bestimmen neben dem Füllungsmaterial auch die Lage und Größe der Füllung die Haltbarkeit. Großen Einfluss auf die Lebensdauer einer Füllung hat außerdem das Zahnpflegeverhalten. Wer seine Zähne gut pflegt, dessen Füllungen können überdurchschnittlich lange halten.

 

Können die Füllungsmaterialien Nebenwirkungen haben?

Durch Abnutzung und chemische Umwandlungsprozesse können alle Füllungsmaterialien im Laufe der Zeit ihre Struktur verändern. Die mechanische Belastung beim Kauen sowie das ständige Feuchtmillieu führen dazu, dass alle Füllungen ständig geringe Mengen ihrer Bestandteile freisetzen. Ob sich daraus Risiken ergeben ist bisher unbekannt. Ebenfalls gibt es z.Zt. auch keine Hinweise darüber ob Schwangere, Kinder oder allergische Personen auf diese Produkte auffälig reagieren können.

Kunststoffe enthalten eine Vielzahl von chemischen Verbindungen, die freigesetzt werden können. Zum Verbesserung der Haftung von Kunststofffüllungen werden ebenfalls Stoffe, sog. Adhäsive verwendet, die kunststoffartige Verbindungen enthalten. In seltenen Fällen wurde eine allergische Reaktion auf einen Bestandteil (BIS-GMA Verbindung) der Kunststofffüllungen nachgewiesen.

Amalgamfüllungen geben ständig in geringer Konzentration Quecksilber ab. Allerdings steigt bei Legen und Entfernen der Amalgam die freigegebene Menge erheblich an. Bei fachgerechter Verwendung besteht allerdings keine nachgewiesene Gefahr für die Gesundheit. Aufgrund der freigegebenen Dämpfe wird empfohlen, bei Schwangeren, Nierenkranken und Kindern auf Amalgam zu verzichten.
Da die modernen Kunststoffe dem Amalgam in Sachen Haltbarkeit ebenbürtig sind, spielt heutzutage das Füllungsmaterial Amalgam eine untergeordnete Rolle. In unserer Praxis erhalten Sie Amalgam nur auf Verlangen.

Bildnachweis: Prodente eV www.prodente.de

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