Hier möchten wir Ihnen ein paar Zahnpasten vorstellen, die sich durch deren außergewöhnlichen oder sogar skurrilen Inhalt von den handelsüblichen Konsorten sich unterscheiden.

Gesundheitsfördernde Naturprodukte sind in: Man ernährt sich wieder wie in der Steinzeit, benutzt Waschnüsse für die Wäsche oder shampooniert die Haare mit Lava.

Dass die Zahnpflege hier auch nicht zu kurz kommt, und die Zahnpflegeindustrie den Trend schon längst erkannt hat, beweist die Fülle an Naturprodukten, die den Zahncremes hinzugesetzt werden.

Zusätze wie Kamille, Menthol, Propolis oder diverse exotische Kräuter gehören schon seit Jahrzehnten zu dem festen Bestandteil der weißen Creme für das tägliche Zahnputzritual.

Der Drang nach Diversifikation sowie der stetige Versuch die Zahncremes zu verbessern und für fast jeden Wunsch ein entsprechendes Produkt anzubieten führt zu interessante und nützliche Kombinationen aber auch teilweise zu skurrilen Inhaltsstoffen die der Zahnpasta beigemischt werden.

Solche alternativen Inhaltsstoffe, egal ob Vegan oder Ayurvedisch bedienen sich teilweise dem gesundheitsbewussten Naturtrend und liegen mittlerweile sehr hoch auf der Beliebtheitsskala.

Schwarz ist das neue Weiß
Die Schwarze Zahnpasta mit Aktivkohle

Am „schwarzen“ Trend kommt aktuell wohl niemand vorbei. Aktivkohle wird derzeit als neues Wundermittel gelobt und findet besonders in der Kosmetik und neulich auch in der Zahnindustrie Verwendung.

In der Medizin wird Aktivkohle als allgemeines Gegengift genutzt. Gerade bei Unfällen mit verschluckten Chemikalien verabreichen Ärzte Aktivkohle. Sie entfernt auch Mikroben und deren Gifte bei Durchfall aus dem Darm.

In der Wasser- und Luftfiltration findet Aktivkohle seit Jahrzehnten Anwendung. Ein Kilogramm kostet gerade mal ein paar Euro und das Beste: Aktivkohle kann man nicht überdosieren.

Zahnmediziner sehen nun aber vor allem Zahnpasta, die mit dem schwarz färbenden Zusatz versetzt ist, etwas kritischer.

Das Wirkprinzip von Aktivkohle besteht darin, dass die Kohle Moleküle eine große Oberfläche besitzen und deshalb andere Moleküle binden können. Bis zu 2000 Quadratmeter groß ist die innere Oberfläche eines Gramms Aktivkohle. Vier Gramm beherbergen in ihrem Inneren also die Fläche eines kompletten Fußballfeldes.

Die so kompakt wirkende Kohlenstoffmasse aus verkohlten Pflanzen weist extrem viele winzige Hohlräume auf, ähnlich wie ein Schwamm, nur viel feiner wodurch sich drastisch die innere Oberfläche vergrößert.

Das macht Aktivkohle zu einem idealen Fänger für missliebige Substanzen, die gut an ihr haften bleiben, so beispielsweise auch Bakterien im Mundraum, die Karies verursachen, aber auch jene, die wichtig für die Mundflora sind.

Die Aktivkohle erkennt da keinen Unterschied, denn die Aktivkohle „weiß“ nicht, welche Stoffe sie absorbiert, sie geht dabei ziemlich unspezifisch vor.

Viele Medikamente wie Schmerz-und Schlafmittel sowie Antidepressiva, Blutdrucksenker können dadurch an Wirkung verlieren. Außerdem wird durch die Anwendung von Aktivkohle die Eisenaufnahme blockiert, Patienten mit Blutarmut sollten aus diesem Grunde diesen Stoff besser vermeiden.

Derzeit gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die über Vorteile und Risiken von schwarzer Zahnpasta eine objektive Aussage treffen können. Vielfältige Expertenmeinungen fehlen ebenso.

Medizinischer Nutzen: 👍👍

Vegane Zahnpasta mit Vitamin B12

Eine weitere Neuheit im Bereich ,,außergewöhnliche Zusätze” in der Zahnpasta stellt eine Zahncreme mit dem VItamin B12 dar.

Nach Angaben der deutschen Bundesärztekammer leiden 5 bis 11 Millionen Deutsche an einem Vitamin-B12-Mangel, der lange Zeit unbemerkt bleiben kann.

Für das Defizit ist oft ein fehlendes Enzym verantwortlich, das für die Aufnahme des Vitamins notwendig ist.

Aber auch vegan lebende Menschen (teilweise auch Vegetarier), ältere Personen, Menschen mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Schwangere und stillende Mütter sowie Alkoholiker und Raucher weisen häufig einen Mangel an Vitamin B-12 auf. Dieses Vitamin ist notwendig für die Blutbildung, Zellteilung und die Funktion der Nerven.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Aufnahme von 3 Mikrogramm Vitamin B12. Auch wenn die benötigte Menge deutlich niedriger ist als bei anderen Vitaminen, kann ein langfristiger Mangel die Gesundheit negativ beeinflussen.

Da das Cyanocobalamin, wie Vitamin B12 von den Medizinern genannt wird, nicht vom eigenen Körper hergestellt werden kann, braucht der Mensch eine ausgewogene Ernährung aus tierischen Nährstoffen. Infolgedessen entwickeln Vegetarier und Veganer ein erhöhtes Risiko an einem Vitamin B12 Mangel zu leiden.

Zahncremes mit dem Vitamin B12 können den Mangel entgegenwirken indem das zugesetzte Vitamin über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Diese sogenannte sublinguale Aufnahme ist etwa ebenso effektiv, wie die Aufnahme über die Verdauung. Zähneputzen wird somit gleichzeitig zur Einnahme eines Vitamin-B12-Präparates genutzt.

Eine von dem Institut für Alternative und Nachhaltige Ernährung (IFANE) durchgeführte und vom VEBU (jetzt Proveg) unterstützte Studie hat gezeigt, dass die Verwendung der Vitamin B12 haltige Zahnpasta zu einer Erhöhung des Vitamin B12-Status führen kann*.

Medizinischer Nutzen: 👍👍👍👍

Ayurvedische Zahnpasta mit Kokosöl

Ein weiterer Trend stellt das Zähneputzen mit Kokosöl dar. Es wird nicht nur mehr als gesundes Lebensmittel zum Kochen verwendet, sondern seit neuestem auch für eine gesunde Zahnpflege empfohlen, die bei der Kariesvorbeugung hilft.

Grund für die antibakterielle Wirkung ist die im Kokosnussöl enthaltene Laurinsäure, welche unter anderem gegen die Bakterienart Streptococcus Mutans (Gehört zu der Steptokokken-Familie) einer der Hauptverursacher von dental Karies und dem schädlichen Hefepilz Candida Albicans wirkt.

In einer wissenschaftlichen Studie durchgeführt am Athlone Institute of Technology in Irland, reduzierte das Kokosöl ebenso erfolgreich Entzündungen des Zahnfleisches.

“Die Einbindung von enzymmodifiziertem Kokosöl in Zahnhygieneprodukten ist eine attraktive Alternative zu chemischen Zusätzen, insbesondere, da die Wirkung bei einer relativ niedrigen Konzentration einsetzt. Mit zunehmender Antibiotika-Resistenz ist es wichtig, dass wir nach neuen Wegen suchen um mikrobielle Infektionen zu bekämpfen”, so der leitende Forscher Dr. Damien Brady vom Athlone Institute of Technology.

Das in der Studie verwendete Kokosöl wurde zuerst mit Enzymen behandelt, die den menschlichen Verdauungsprozess simulierten um seine Wirkung im Körper realistischer zu messen.

Diese Entdeckung verfestigt die alte ayurvedische Praxis des Ölziehens, also den Mund mit einem Esslöffel Öl am Morgen für mehrere Minuten zu spülen, von denen viele behaupten, dass sie am besten mit Kokosnussöl arbeiten. Wie das genau funktioniert verraten wir Ihnen in einem unserer nächsten Beiträge.

Auch Zahnärzte können dieser Methode einiges Positives abgewinnen, solange die normale Zahnhygiene nicht vernachlässigt wird, da das Öl nur eine Ergänzung zu der täglichen Mundhygiene darstellt.

Medizinischer Nutzen: 👍👍👍

Goldstaub aus der Tube

Ist die versetzte Zahncreme mit Gold der geheime Trick zu Hollywood Zähnen?

Von Cleopatra, die in reinen Goldgesichtsmasken schlief, bis hin zu goldenen Salben, die zur Behandlung von Hautkrankheiten im antiken Rom verwendet wurden, ist das Edelmetall seit langem für seine Schönheitsvorteile bekannt.

In der Tat haben die Hersteller von Schönheitsprodukte heute begonnen, das Metall, das das Zellwachstum stimuliert und gesunde Hautzellen regeneriert, in Gesichtscremes, Seren und Öle zu integrieren.

Jetzt sind Unternehmen einen Schritt weitergegangen in dem Goldpartikel in Zahncremes ergänzt wurden.

Die schweizer Firma Swiss Smile, bekannt für exquisite Produkte rund um die Mund- und Zahnpflege hat in Kooperation mit der Firma Curaden, einem bekannten schweizer Hersteller für Zahnpflegeprodukte eine exklusive Zahnpasta mit Gold auf dem Markt gebracht.

In diesem Zahngel, genannt d’Or glänzt tatsäch­lich Gold – „filigranster 23,75-karätiges Gold­staub“, um genau zu sein. In 75 Milliliter d‘Or Zahngel stecken laut Hersteller etwa 20 Milligramm des edlen Metalls, wie Stiftung Warentest mit der sprichwörtlichen Gold­waage im Sommer 2016 ermittelt hat.

Bei Kosten um die 100 Euro pro Tube liegt somit der Wert des einge­setzten Goldes, je nach Tages­kurs, bei ungefähr 77 Cent.

Das Gold soll eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung haben sowie die Durchblutung im Mundbereich erhöhen was wiederum Zahnfleischerkrankungen bekämpft und die allgemeine Mundhygiene unterstützt.

Dieses Wirkungsprinzip wird als Oligodynamie
bezeichnet welches die schädigende und toxische Wirkung von Metall-Kationen auf lebende Zellen (unterschiedliche Krankheitserreger wie Bakterien) beschreibt.

Viren sind im Allgemeinen nicht sehr empfindlich auf diese Wirkung, da sie metabolisch nicht aktiv sind.

Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht völlig geklärt, jedoch wurde eine Störung des bakteriellen Stoffwechsels festgestellt.

Studien sowie Nachweise über die Wirksamkeit der goldangereichteten Zahnpasta auf die Mundflora sowie der kariesvorbeugenden Wirkung fehlen bis jetzt und sind auf der Schnelle auch nicht zu erwarten. Somit bleibt jedem selbst überlassen sich auf die Angaben des Herstellers zu verlassen. Fakt ist, dass man damit nichts Falsches machen kann, sofern die Bereitschaft besteht den stolzen Kaufpreis dafür zu bezahlen.

Für Menschen, die nicht mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren wurden und dies als Manko empfinden, hat der schweizer Hersteller vielleicht endlich adäquaten Ersatz geschaffen. Alle anderen können über die 75 Milliliter-Tube und ihren Preis einfach nur staunen.

Medizinischer Nutzen: 👍

 

Geräucherter Bauchspeck für die morgendliche Zahnpflege?

Für Menschen die es Morgens etwas herzhafter haben möchten, ist die Zahnpasta mit Speckgeschmack ideal. Sie ist lecker, nicht zu heiß oder fettig und hat keine Kalorien, somit ist ein Teil der Frühstücks-Gaumenfreunde durch das morgendliche Zähneputzen schon erledigt.

Medizinischer Nutzen: 👎

Die Zahnpasta mit Speckgeschmack jedoch bekommt fünf mal Daumen hoch für den Spaßfaktor: 👍👍👍👍👍

 

Natürlich gibt es auch Zahncremes mit weiteren außergewöhnlichen Geschmäckern wie z.B. mit Cupcake, Aubergine, Kaffee oder Whisky denn wer will Morgens schon stets mit Menthol geweckt werden?

 

Fazit
Es gibt nichts was es nicht gibt und das trifft auf die Produkte der Mundpflege auch zu. Ob schwarze Zahnpasta mit Aktivkohle für weißere Zähne, Kokosöl für die Kariesprophylaxe oder  mit Vitamin B12 angereicherte Zahnpasta für die Bekämpfung von Vitamin B12-Mangelzustände bis hin zu dem Edelmetall Gold welches dem Zahnpasta beigemischt wird, die Palette an außergewöhnlichen Zusatzstoffen ist breit gestreut. Wir haben uns diese Zusatzstoffe näher angeschaut und sie auf die theoretische Wirksamkeit überprüft, mit dem Ergebnis, dass diese mehr oder weniger ihre Berechtigung finden können. Ob die oben gezeigten Zahncremes in der täglichen Zahnputzroutine integriert werden können, bleibt jedem Patienten selbst überlassen.

 

Weiterführende Informationen:

Zahnpasta mit Aktivkohle: http://emedien.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=107189&bernr=10

Zahncreme mit Vitamin B12: https://vebu.de/fitness-gesundheit/naehrstoffe/vitamin-b12-in-lebensmitteln-und-vegane-ernaehrung/vitamin-b12-zahncreme/

Die Wirksamkeit von Kokosöl in der Bekämpfung von bakterienverursachenden Karies: https://www.nature.com/articles/sj.bdj.2012.856

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